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Hier zunächst einmal die Erklärung zu dem Kürzel OWL: das ist die Abkürzung für Ostwestfalen-Lippe.
Natürlich bietet unser OWL viel Interessantes zwischen Teutoburgerwald, Eggegebirge, Diemel und Weser. Aber hier möchte ich mich denn mehr auf die geschichtlich und genealogisch gewichteten Faktoren beschränken.
Die Geschichte des Desenbergs
Das Wahrzeichen des Warburger Landes ist der Desenberg. 345 Meter hoch ragt der ehemalige Vulkan mit seiner Burgruine auf dem Gipfel über die Börde hinaus. Bei klarem Wetter kann man den Kegel selbst von den nördlichsten Regionen des früheren Kreises Warburg, von der Hegge, aus sehen. Seit Urzeiten hat der Desenberg die Phantasie der Bewohner ringsum angeregt. So sehr der Berg mit seiner Höhe und charakteristischen Form aus der Landschaft hervorsticht, so wechselvoll ist auch seine Geschichte, oder vielmehr die Geschichte der darauf erbauten Burg. Erstmals erwähnt wird der Desenberg oder »Disenberg«, wie er früher hieß, in der Chronik des Regio von Prüm im Jahre 776. Stets hat der Desenberg, bis etwa gegen Ende des 16. Jahrhunderts, im Brennpunkt zahlreicher Kämpfe und Schlachten gestanden. Kaiser und Könige, Herzöge, Fürsten und Bischöfe haben sich im Verlauf der Geschichte des Berges wegen bekämpft.
Es ist das Jahr 776, in dem die Burg vor den Toren Warburgs zum ersten Mal Erwähnung bei den Geschichtsschreibern findet. Es war die Zeit der Sachsenkriege. Als erster Name taucht allerdings erst der König Heinrichs II.. (1002 1024) auf, als er die Burg auf dem Desenberg Bischof Meinwerk von Paderborn (1009 1036) schenkt. Die Schenkung wird jedoch von Kaiser Konrad II.. (1024 1039) rückgängig gemacht.
Er überträgt die Festung Aribo, dem Erzbischof von Mainz (1021 1031). Dieser belehnt damit den Grafen von Nordheim. Nach Aribos Tod (1031) spricht Konrad II. die Burg Paderborn zu. Sie bleibt zunächst im Besitz der Nordheimer.
Erst Otto von Nordheim verliert 1070 seine Rechte.
Heinrich IV. (1056 - 1106) erobert den Desenberg und teilt die Besitzungen. Die eine Hälfte kommt im Erbgang über Heinrich, Markgraf der Friesen, seine Tochter Richenza, deren Eheherrn Kaiser Lothar III. (1133 - 1137), dann über Herzog Heinrich von Bayern (1126 - 1139) an Heinrich den Löwen (1142 - 1195). Hermann von Würzburg, Besitzer der zweiten Hälfte, wird 1152 ermordet.
Heinrich der Löwe Übernimmt auch diesen Anteil und belehnt damit den wilden Grafen Wittekind vom Schwalenberg. Dieser ermordet 1156 den Stadtgrafen von Höxter und wird mit Verbannung belegt, bleibt aber auf der Burg.
Heinrich erobert 1168 das Gemäuer zurück. Das gelingt ihm allerdings erst mit einem Trick. Er lässt Bergknappen aus Goslar kommen, die einen Stollen vortreiben und den Verteidigern das Wasser abgraben.
1180 stürzt Heinrich der Löwe im Kampf mit dem Kaiser Friedrich I. (1152 1190).
Die Burg gelangt 1192 durch Heinrich IV. wieder an Paderborn.
1181 belagert der Erzbischof von Köln den Desenberg. Die Nachkommen der Schwalenberger mit ihren Burgmannen trotzen weiterhin dem Bischof und dem Abt von Corvey, die 1203 gemeinsam die Zerstörung der Burg beschließen, aber n trotz Verstärkung durch Waldecker und Eversheimer die Feste vergeblich berennen.
Historisches vom Desenberg
Der 368 Meter hoch aufragende Desenberg gilt als einer der nördlichsten Basaltkegel Ost-Westfalens und ist als ein Ausläufer der nordhessischen Eruptionsgebirge anzusehen. Etwa drei Kilometer nordöstlich von Warburg liegt der Kegel unmittelbar an der Straße von Warburg zu der Ortschaft Daseburg. Da er mit einsamer Höhe das flache, lößführende Umland als einzige Erhebung überragt, wird er nicht zu Unrecht als »Wahrzeichen des Warburger Landes«, der Börde, bezeichnet. Der Desenberg, der in seinem Aussehen viel Ähnlichkeit mit dem Vesuv bei Neapel aufweist, hat von jeher die Phantasie der Menschen stark angeregt. Man weiß heute, dass er vulkanischen Ursprungs ist. Vor Millionen von Jahren wurden hier glühende Lavamassen hochgeschleudert, die nach ihrem Erkalten zu hartem Basaltstein wurden. Durch Verwitterungseinflüsse erhielt der Berg allmählich seine heutige Gestalt.. Die den Berg Umgebenden Äcker der Börde sind reiche Fundstätten prähistorischer, neolithischer, bandkeramischer und kaiserzeitlicher Kulturen. Die interessantesten Grabungsergebnisse basieren auf Untersuchungen, die von Mai 1962 bis November 1963 durchgeführt worden sind. Angeregt wurden sie von dem Gärtnermeister Ortwein aus Daseburg. Auf dem Plateau des Berges legten die Archäologen unter einer 20 bis 40 Zentimeter starken Humusschicht die Grundmauern von drei Gebäuden frei. Zu Tage traten aber auch etliche interessante Einzelfunde, wie Messer, Schüsseln, Tonscherben mit Plastiken, darunter das Bild eines Dudelsackpfeifers, ein fingerhutartiges Siebchen, eine Eisennadel, zwei Armbrustbolzen, eine dreizinkige Forke, Kettenglieder, Schlösser, Krugfüße, ein Zimmermannsbeil, Hufeisen sowie ein Pferdegeschirr. All diese Funde stammen aus jüngerer Zeit und wurden wohl überwiegend in dem landwirtschaftlich genutzten Teil der Burg verwendet. Zu den Funden gehören weiterhin unter anderem eine Ofenzange, Pfeilspitzen, ein Stück Hirschhorn, Eberzähne, ein Sporn, drei Bronzenadeln, ein zwei Zentimeter breites und 60 Zentimeter langes Kupferband, zwei Schlüssel und ein Ring. In der Nähe dieser Grabungsstelle wurde auch eine Steinkugel von sieben Zentimeter Durchmesser und zwei Pfund Gewicht gefunden. Diese Kugel- sowie anderes Kriegsgerät- zeugen davon, dass das betreffende Bauwerk dem Beschuss von Bolzen, Pfeilen und Steinkugeln zum Opfer fiel. Wie berichtet, belagerte 1471 Bischof Simon die Burg, und die Besatzung ergab sich nach 14 Tagen. In diesem Kampf könnten nach Meinung der Archäologen die spätmittelalterlichen Anlagen zerstört worden sein. Hierfür spricht der Befund: Zerstörung durch Feuer, Auffindung von Bolzen und einem Brandpfeil in der betreffenden Schicht sowie die Lage der Kugel auf der Mauer des Turmes. Münzkunde und Keramik gestatten dann den Schluss, dass diese spätmittelalterlichen Gebäude bis spätestens Ende des 14. Jahrhunderts wiederaufgebaut worden sind.
Geschichten und Sagen
Um den Desenberg ranken sich eine Vielzahl von Sagen und Geschichten. Eine von ihnen ist »Der Kampf mit dem Drachen«. Vor vielen hundert Jahren, als der Desenberg noch unbewohnt war, hauste dort ein fürchterlicher Drache. Er verheerte die Fluren und erfüllte durch seine Blutgier Menschen und Tiere mit Angst und Schrecken. Manches frische Leben war dem missgestalteten Ungeheuer schon zum Opfer gefallen. Da kam Kaiser Karl ins Land. Er rief die edlen Sachsenjünglinge zum Kampf auf gegen das Ungetüm. Einer nach dem anderen versuchte sein Glück vergebens. Ein junger Recke jedoch sann auf eine Gelegenheit, das Scheusal mit List zu besiegen. Mit einem großen Spiegel auf seinem Schild lockte er es aus seiner Höhle. Als der Drache sein eigenes furchterregendes Spiegelbild sah, bäumte er sich auf und begann zu zittern. Jetzt stieß ihm Bruno, so hieß der Sachsenjüngling, den Speer in die Flanke und trennte mit einem scharfen Schwert den Kopf vom Rumpf. So wurde das Ungeheuer durch die Kühnheit und List des furchtlosen Sachsen besiegt.
Zum Lohn dafür, dass er das Land von einer schrecklichen Plage befreit hatte, erhob ihn Karl der Große in den Ritterstand. Er billigte ihm in seinem Wappenschild drei Spiegel zu, die das Adelsgeschlecht bis zum heutigen Tag in seinem Wappen führt. Als Burgsitz verlieh er ihm den Desenberg.
„Do sollst lüchten als en Spiegel von diesem Berge, un wat du von diesem Berge überspiegeln kannst, sull din sein“, so die Worte des Kaisers.
Um eben diesen Ritter Bruno aber rankt sich eine weitere Sage, die den zuvor gepriesenen Edelmut des Sachsenjünglings sehr schnell wieder verblassen lässt.
Vor vielen hundert Jahren lebte auf dem Berg der Ritter Bruno. Er war der Herr des Desenberger Landes. Wegen seiner bösen Taten wurde er überall gefürchtet und gehasst. Er verwüstete die Felder und überfiel Bauern und Kaufleute, die nach Warburg fuhren oder vom Markt kamen. Eines Tages trat ein Mönch aus dem Warburger Dominikanerkloster in seine Burg und hielt Ritter Bruno sein Unrecht vor. Dieser aber verspottete den Pater, der deshalb in sein Kloster zurückkehrte. Kurze Zeit später ließ Ritter Bruno durch einen Knappen den Mönch bitten, er möge ihm die Sterbesakramente bringen. In Wirklichkeit aber war der Ritter gar nicht krank, sondern hatte den ahnungslosen Mönch herbeigelockt, um ihn zu töten. Mit einer Lanze erstach der falsche Raubritter den alten Pater. Die Strafe Gottes aber ereilte ihn im gleichen Augenblick. Ein Blitzstrahl fuhr vom Himmel hernieder und zerstörte die Burg. Der Ritter wurde von einem schweren Stein zerschmettert und von Flammen verzehrt. Seit jener Zeit steht nur noch eine Ruine auf dem Berge. Nachts, wenn Wald und Flur ringsum in süßem Frieden schlummern, Muss Brunos böser Geist dort oben auf dem Desenberg ruhelos umherirren.
Quellennachweis
Denkmalspflege und Forschung in Westfalen von Walter Bauer, Herbert Engemann, Hans Wilhelm Heine, Uwe Lobbede und Hans Georg Stephan; Aufzeichnungen des früheren Warburger Ortsheimatpflegers Martin Gürich; Warburger Kreiskalender 1958 mit einem Artikel von Dr. Franz Mürmann; Dank an den Warburger Ortsheimatpfleger Dr. Albert Kröger für freundliche Hilfeleistung.
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