Historische Grenzsteine

Donnerstag, 5. Mai 2011

 

Befestigung der
Hessisch-Paderborner Grenze
(zwischen Karlshafen und Welda)

Das Gebiet zwischen Weser und Twiste ( Diemelgau ) hat in der Geschichte manche Herrschaftswechsel und damit Grenzwechsel erfahren. Die Bistums Paderborn und Mainz waren zunächst durch die Diemel getrennt. Durch eine Schenkung des sächsischen Grafen Dodiko aus Warburg bekam der Paderborner Fürstbischof Meinwerk auch Einfluss auf der Mainzer Flußseite.

Meinwerk wollte das Bistum Paderborn auf den Herrschaftsbereich bis zur Diemelmündung ausdehnen. Im 13. Jahrhundert trat dann der Landgraf von Hessen als Nachbar der Bischöfe von Paderborn auf, während der Einfluss des Bistums Mainz zurückging.

Im 15. Jahrhundert hatten die Landgrafen von Hessen den gesamten Mainzer Besitz in Nordhessen übernommen und ihren Herrschaftsbereich bis zur Diemel ausgeweitet.

Eine wichtige Rolle spielten auch die Edelherren von Schöneberg, die sowohl vom Bistum Mainz als auch von Bistum Paderborn erheblichen Lehnbesitz verwalteten. Sie verstanden es, zwischen den Parteien zu vermitteln, um Ihren Besitz nicht zu gefährden.

Mit dem Tode des letzten Grafen von Schöneberg verkaufte die Witwe Gut und Lehnsgüter an die hessische Grafschaft, was wieder für kriegerische Auseinandersetzungen sorgte.

Um 1470 versuchte der Landgraf Ludwig II zusammen mit dem Bischof Simon III zur Lippe die Grenzkonflikte durch einen Vertrag beizulegen.

Aber immer wieder kam es zu gerichtlichen und anderen Auseinandersetzungen wegen der Länderzugehörigkeit einiger grenznaher Orte.

Unter Führung des Bischofs Dietrich IV von Fürstenberg und des Landgrafen Moritz zu Hessen wurde 1597 ein Grenzvertrag geschlossen, der dauerhaften Erfolg versprach. In diesem Vertrag ist der Grenzverlauf sehr detailliert beschrieben. Leider wurden nur wenige Steine als Grenzmarken aufgestellt und schon im 30jährigen Krieg sind viele davon verschwunden.

Wegen der sich dadurch häufenden Komplikationen schlossen die beteiligten Länder, nämlich Hessen und Paderborn, 1754 einen neuen Vertrag über den Grenzverlauf.

In dreifacher Ausfertigung wurde ein Grenzatlas erstellt. Ein Exemplar, in Leder gebunden ist im Besitz des Altertums- und Geschichtsvereins in Paderborn und wird im Archiv der Akademischen Bibliothek verwahrt.

In diesem Grenzatlas sind die Standorte der 210 großen Grenzsteine von Karlshafen, Nr. 1 bis Welda Nr. 210 in Karten eingezeichnet und beschrieben.

Die Steine tragen eine laufende Nummer und die Jahreszahl 1754 auf beiden Seiten. Dazu auf der jeweiligen Seite das Landeswappen und das Kürzel des Landesherrn.

Das ist auf der Paderborner Seite der Bischof Clemens August von Bayern C.A.B.Z.P. und auf der Hessischen Seite der Landgraf Wilhelm VIII. W.L.Z.H.. Die Steine 1-126 sind aus rotem Wesersandstein gehauen während die restlichen Steine aus hellem Sandstein bestehen.

Die Grenzsteine haben bei gestrecktem Grenzverlauf einen rechteckigen Querschnitt, bei einem winkligen Verlauf der Grenze einen dreieckigen.

 

Der 7jährige Krieg hat Lücken in der Grenzbefestigung hinterlassen. Daher haben die Landesherren 1778 die fehlenden Steine ersetzen lassen. Fast gleich groß wie die alten Steine, jedoch etwas schlichter behauen. F.L.Z.H. auf der Hessischen und W.A.B.Z.P auf der Paderborner Seite weisen auf die neuen Landesherren hin: Friedrich II. Landgraf von Hessen-Kassel und Fürstbischof Wilhelm Anton von der Asseburg. Auch bei den Ersatzsteinen gibt es Unterschiede. Bei den von den Hessen gelieferten Steinen sind die Nummern und Initialen über den Wappen, während die Paderborner Steinen alle Schriftzeichen unter den Wappen tragen. Außerdem blickt bei diesen Steinen der Hessische Löwe nach links. Sicherlich wurden die Paderborner Steinmetzarbeiten von einem Meister durchgeführt, der das, heraldisch nach rechts blickende, Hessische Wappentier so in den Stein meißelte, das es für den Betrachter nach rechts blickt, also heraldisch nach links.

 

Mit der Säkularisation 1802 fiel das weltliche Bistum Paderborn an Preußen. 1824 wurden von den Preußen die ersten Ersatzsteine gestellt. Auf der Preußischen Seite sehen wir die Nr. des Steins über einem Oval gefassten P für Preußen und unten am Stein die Jahreszahl. Auf der Hessischen Seite steht über dem Hessischen Löwen die Nr. des Steines, unten die Initialen W.K.H. (Wilhelm II. Kurfürst von Hessen).

Eine weitere Partie Ersatzsteine wurde 1834 aufgestellt. Etwas kleiner und auch schlichter trage sie auf beiden Seiten oben die laufende Stein Nr. und unten die Jahreszahl 1834 dazwischen den Preußischen Adler, bzw. den Hessischen Löwen.

 

Die historischen Grenzsteine sind heute im Besitz der beiden Bundesländer Hessen und Nordrheinwestfalen. Sie sind unter Denkmalschutz gestellt. Die Standorte der noch vorhandenen Steine sind von der Bezirksregierung Detmold im Internet veröffentlicht. www.gis4.nrw.de/ASWebHGS_100/ASC_Frame/portal.jsp

 

In der Akademischen Bibliothek kann man eine kleine aber feine Ausstellung über den Bischof Clemens August, der vor 250 Jahren auf der Feste Ehrenbreiststein verstarb, bewundern. Die Geschichte dieses Menschen ist bemerkenswert. www.wikipedia.de

Stein-Erklärungen

Grenze zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Bistum Paderborn hier südlich von Körbecke

Hochstift Grenze zu Hessen
Eggelmündung PB 130

Ausschnitt aus dem Grenzatlas, Eggelmündung in die Diemel bei Haueda
im Besitz des Altertumsvereins Paderborn

Nr. 131 1778 Hessen Nr. 131 1778 Paderborn
Nr 85 CABZP
Nr 86 WLZH
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